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Family Office oder Private Banking: Was ist der Unterschied?

Private Banking ist das gehobene Kundensegment einer Bank, ein Family Office eine Koordinationsstelle über alle Vermögensbereiche hinweg. Die Bank betreut das Vermögen, das bei ihr liegt, und verdient an ihren eigenen Leistungen. Ein Family Office betrachtet das Gesamtvermögen, wählt Banken aus und überwacht sie.


Was ist der Unterschied zwischen Family Office und Private Banking?

Private Banking ist ein Kundensegment innerhalb einer Bank. Ein Family Office ist eine eigenständige Stelle, die das gesamte Vermögen eines Mandanten koordiniert, unabhängig davon, bei welcher Bank es liegt.

Daraus folgt der entscheidende Unterschied in der Perspektive. Das Private Banking betreut den Teil des Vermögens, der bei diesem Institut liegt, und bietet dafür die Leistungen des eigenen Hauses an: Konten, Depots, Anlage, Finanzierung, teilweise auch Nachlass- und Stiftungsthemen. Ein Family Office betrachtet dagegen alle Vermögensteile gemeinsam, auch die bei anderen Banken, und tritt gegenüber diesen Banken als Auftraggeber auf.

Der zweite Unterschied liegt in der Reichweite. Unternehmensbeteiligungen, Immobilien, Nachfolge, steuerliche Struktur und die Abstimmung zwischen mehreren Beratern gehören bei einem Family Office zum Leistungsbild. Im Private Banking sind sie, wenn überhaupt, ein Zusatzangebot rund um die Bankverbindung. Was ein Family Office im Einzelnen übernimmt, beschreibt der Artikel Was ist ein Family Office?.

Was leistet Private Banking?

Private Banking bündelt die Leistungen einer Bank für vermögende Privatkunden bei einem festen Ansprechpartner. Im Zentrum stehen Anlage, Finanzierung und Zahlungsverkehr.

Typische Bestandteile:

  • Anlageberatung oder Vermögensverwaltung: Der Berater empfiehlt Anlagen, oder die Bank verwaltet ein Depot nach vereinbarter Strategie.
  • Konten und Depots: Führung, Abwicklung und Verwahrung.
  • Finanzierung: Immobilien- und Lombardkredite, häufig ein wesentlicher Grund für die Bankverbindung.
  • Zusatzleistungen: je nach Haus Vorsorge, Nachlassplanung, Stiftungsdienstleistungen oder Zugang zu geschlossenen Anlagen.

Die Beratung findet dabei innerhalb des eigenen Hauses statt. Empfohlen wird, was die Bank anbietet oder was sie über ihre Partner vertreibt.

Was leistet ein Family Office?

Ein Family Office koordiniert das Gesamtvermögen und die daran beteiligten Dienstleister. Es legt in der Regel nicht selbst an, sondern wählt Verwalter aus und überwacht sie.

Kernleistungen sind Vermögenscontrolling und konsolidiertes Reporting über alle Banken und Anlageklassen hinweg, die Auswahl und Kontrolle von Verwaltern, die Abstimmung mit Steuerberatern und Anwälten sowie die Begleitung von Nachfolge, Beteiligungen und Immobilien. Ob ein Family Office darüber hinaus selbst Anlageentscheidungen treffen darf, hängt von seiner aufsichtsrechtlichen Erlaubnis ab.

Für das Private Banking bedeutet das: Ein Family Office ist nicht sein Ersatz, sondern eine Ebene darüber. Es kann durchaus dazu führen, dass Mandate an mehrere Banken vergeben und regelmäßig verglichen werden.

Wie unterscheiden sich Unabhängigkeit und Interessenkonflikte?

Eine Bank verdient an den Leistungen, die sie selbst erbringt. Ein unabhängiges Family Office wird vom Mandanten bezahlt und hat kein wirtschaftliches Interesse daran, welches Produkt zum Einsatz kommt.

Im Private Banking ist der Interessenkonflikt strukturell angelegt: Die Vergütung der Bank hängt davon ab, welche Produkte, welche Depotführung und welche Finanzierungen genutzt werden. Das macht Beratung nicht automatisch schlecht, aber die Auswahl endet meist am eigenen Angebot.

Bei Family Offices kommt es auf die Konstellation an. Bankgebundene Family Offices gehören zu einem Institut und stehen vor demselben Konflikt. Unabhängige Anbieter arbeiten mit mehreren Depotbanken. Entscheidend ist dort, ob sie ausschließlich vom Mandanten bezahlt werden oder zusätzlich Provisionen und Rückvergütungen von Banken und Produktanbietern erhalten. Diese Frage sollte vor Mandatsbeginn schriftlich beantwortet sein.

Wie unterscheiden sich die Kosten?

Im Private Banking stecken die Kosten meist in den Produkten und Dienstleistungen selbst. Ein Family Office berechnet ein eigenes Honorar für Koordination und Controlling, zusätzlich zu den Kosten der Banken.

Bei der Bank fallen Depot- und Kontoführung, Transaktionskosten, Verwaltungsgebühren für Mandate und laufende Produktkosten an, teilweise ergänzt um Zuwendungen von Fondsanbietern. Vieles davon ist im Produktpreis enthalten und deshalb nicht sofort sichtbar.

Ein Family Office verursacht eine zusätzliche Ebene: eine Gebühr auf das betreute Vermögen, ein festes Honorar oder eine Kombination aus beidem. Ob sich diese Ebene rechnet, hängt davon ab, wie viel sie an anderer Stelle einspart, etwa durch bessere Konditionen bei Banken, den Vergleich mehrerer Verwalter oder vermiedene Doppelarbeit zwischen Beratern.

Wie unterscheiden sich die Einstiegsgrößen?

Private Banking ist in der Regel früher zugänglich als ein Family Office. Banken staffeln ihre Kundensegmente und nennen intern Grenzen, ab denen ein Kunde vom Filial- ins Private-Banking-Segment wechselt.

Family Offices setzen deutlich höher an, weil jedes Mandat Betreuungsaufwand verursacht, der sich unterhalb einer bestimmten Größe nicht trägt. Wie diese Schwellen zustande kommen und welche Konstellationen wofür sprechen, beschreibt der Artikel Ab welchem Vermögen lohnt sich ein Family Office?.

Wann passt Private Banking, wann ein Family Office?

Private Banking passt, wenn das Vermögen im Wesentlichen bei einer Bank liegt und dort verwaltet und finanziert werden soll. Ein Family Office passt, sobald mehrere Bereiche und Dienstleister zusammengeführt werden müssen.

Für Private Banking spricht typischerweise:

  • Das Vermögen besteht überwiegend aus liquiden Anlagen in einem oder zwei Depots.
  • Finanzierungen spielen eine Rolle, etwa für Immobilien.
  • Es gibt keine Unternehmensbeteiligung und keine offene Nachfolgefrage.
  • Der Aufwand soll gering bleiben, ein Ansprechpartner genügt.

Für ein Family Office spricht typischerweise:

  • Das Vermögen liegt bei mehreren Banken, eine Gesamtübersicht fehlt.
  • Neben Wertpapieren bestehen Beteiligungen, Immobilien oder Vermögen im Ausland.
  • Eine Nachfolge oder ein Unternehmensverkauf steht an.
  • Steuerliche Themen berühren mehrere Bereiche gleichzeitig, siehe Steueroptimierung.
  • Die Empfehlungen verschiedener Berater sollen von einer unabhängigen Stelle eingeordnet werden.

Lassen sich beide Lösungen kombinieren?

Ja, das ist sogar der Normalfall. Ein Family Office ersetzt die Bank nicht, sondern arbeitet mit ihr zusammen.

Konten, Depots und Finanzierungen bleiben bei den Banken, mit denen der Mandant arbeitet. Das Family Office führt die Daten aller Institute zusammen, prüft Konditionen und Ergebnisse, verhandelt Mandate und verteilt Aufgaben auf mehrere Häuser, wenn das sinnvoll ist. Für den Mandanten ändert sich damit weniger die Bankverbindung als die Rolle: Er tritt den Banken nicht mehr allein gegenüber.

Wie das in der Praxis organisiert wird, zeigen die Artikel Was ist ein Multi Family Office? und Family Office in Deutschland. Welche Möglichkeiten in Ihrer Situation bestehen, klären wir in einem Erstgespräch.

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