Was ist ein Family Office?
Ein Family Office ist eine Organisation, die das Vermögen einer oder mehrerer wohlhabender Familien verwaltet und koordiniert. Anders als eine Bank oder ein Vermögensverwalter deckt es nicht nur die Geldanlage ab, sondern auch Steuern, Recht, Nachfolge und die Organisation innerhalb der Familie.
Welche Aufgaben übernimmt ein Family Office?
Ein Family Office bündelt alle Aufgaben rund um ein großes Privatvermögen an einer Stelle. Statt dass eine Familie einzeln mit Banken, Steuerberatern, Anwälten und Verwaltern spricht, übernimmt das Family Office die Koordination und behält den Überblick über alle Vermögensteile.
Typische Aufgabenbereiche:
- Strategische Vermögensplanung und Auswahl der Vermögensverwalter
- Koordination der steuerlichen und rechtlichen Berater
- Verwaltung von Beteiligungen und Unternehmensanteilen
- Immobilienverwaltung
- Nachfolgeplanung über Generationen hinweg
- Konsolidiertes Berichtswesen über alle Anlageklassen
- Family Governance, also die Regelung von Zuständigkeiten und Entscheidungen innerhalb der Familie
Der Umfang unterscheidet sich stark. Manche Family Offices übernehmen zusätzlich die Betreuung von Stiftungen, die Verwaltung von Kunstsammlungen oder administrative Aufgaben bis hin zur Reiseorganisation. Andere beschränken sich auf Vermögensstrategie und Reporting. Welche Themen dabei auf der steuerlichen Seite anfallen, beschreibt der Artikel zur Steueroptimierung.
Welche Arten von Family Offices gibt es?
Es gibt drei Grundformen: das Single Family Office für eine Familie, das Multi Family Office für mehrere Familien und das bankgebundene Family Office. Sie unterscheiden sich darin, für wie viele Familien sie arbeiten und wem sie gehören.
Single Family Office
Ein Single Family Office arbeitet ausschließlich für eine Familie, meist als eigene Gesellschaft mit angestellten Mitarbeitern. Die Familie hat die volle Kontrolle, und es müssen keine Interessen anderer Mandanten berücksichtigt werden.
Nach außen sind Single Family Offices oft nicht erkennbar. Sie führen keine besondere Unternehmensbezeichnung und treten häufig als gewöhnliche vermögensverwaltende GmbH auf.
Multi Family Office
Ein Multi Family Office betreut mehrere Familien gleichzeitig. Die Fixkosten für Personal, Systeme und Räume verteilen sich auf mehrere Mandate, dadurch ist der Zugang günstiger als bei einem eigenen Family Office.
Dafür arbeitet ein Multi Family Office nach stärker standardisierten Abläufen, und die Familie teilt die Zeit des Teams mit anderen Mandanten. Die Zahl der betreuten Familien reicht je nach Anbieter von wenigen bis zu sehr vielen. Manche Multi Family Offices koordinieren und beraten ausschließlich, andere verwalten das Vermögen selbst. Mehr dazu im Artikel Was ist ein Multi Family Office?.
Bankgebundenes Family Office
Auch Privat- und Geschäftsbanken bieten eigene Family-Office-Leistungen an. Der Zugang ist einfach, weil die Familie meist bereits Kunde der Bank ist. Es besteht jedoch ein struktureller Interessenkonflikt: Die Bank verdient zusätzlich an den eigenen Produkten, die sie empfiehlt.
Ab welchem Vermögen lohnt sich ein Family Office?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Für ein Single Family Office liegt die Schwelle deutlich höher als für ein Multi Family Office, und die in der Praxis genannten Werte gehen weit auseinander.
Der Grund für die große Spanne: Die Schwelle ergibt sich nicht aus einer Regel, sondern aus einer Rechnung. Ein eigenes Family Office lohnt sich dann, wenn sein Nutzen die Fixkosten übersteigt. Diese Kosten hängen davon ab, welche Leistungen erbracht werden sollen, und das ist von Familie zu Familie verschieden. Multi Family Offices legen ihre Mindestgrenzen selbst fest und verteilen die Fixkosten auf mehrere Mandate. Ihre Einstiegsschwellen liegen deshalb erheblich niedriger.
Entscheidender als die Vermögenshöhe ist oft die Komplexität. Ein einzelnes liquides Vermögen braucht weniger Koordination als ein gleich großes, das sich auf Unternehmensanteile, Immobilien und Beteiligungen in mehreren Ländern verteilt.
Anzeichen dafür, dass sich die Frage stellt:
- Das Vermögen verteilt sich auf mehrere Anlageklassen und Gesellschaften
- Mehrere Familienmitglieder oder Gesellschafterstämme sind beteiligt
- Ein Unternehmensverkauf steht bevor oder ist bereits erfolgt
- Die Nachfolge ist ungeklärt
- Die Zahl der Berater ist unübersichtlich geworden
Was kostet ein Family Office?
Die Kosten hängen von der Form ab. Ein Single Family Office trägt vor allem Fixkosten, ein Multi Family Office berechnet ein Honorar für seine Leistungen.
Bei einem Single Family Office entstehen Kosten für Gehälter von Investmentfachleuten, Juristen und Controllern, für IT- und Reportingsysteme, Räume und externe Beratung. Den größten Anteil machen in der Regel die Personalkosten aus. Weil diese Kosten weitgehend fest sind, hängt die Tragfähigkeit stark von der Größe des Vermögens ab.
Multi Family Offices rechnen meist auf Honorarbasis ab. Drei Modelle sind üblich: ein Prozentsatz des betreuten Vermögens, eine Pauschale oder eine Abrechnung nach Stunden. In der Praxis werden diese Modelle oft kombiniert, häufig mit einer jährlichen Mindestgebühr. Anbieter mit angeschlossener Vermögensverwaltung rechnen tendenziell höhere Sätze ab als Anbieter, die nur koordinieren.
Für die Gesamtkosten ist entscheidend, ob externe Spezialisten für Steuern, Recht oder Nachfolge in der Gebühr enthalten sind oder gesondert abgerechnet werden.
Wie unterscheidet sich ein Family Office von einer Vermögensverwaltung?
Eine Vermögensverwaltung kümmert sich um die Anlage des Geldes. Ein Family Office koordiniert alles, was darüber hinausgeht, und wählt die Vermögensverwalter aus, statt selbst zu verwalten.
Der zweite Unterschied ist die Reichweite. Steuerliche Struktur, Nachfolge, Beteiligungen, Immobilien und die Organisation innerhalb der Familie gehören bei einem Family Office zum Leistungsbild, bei einer klassischen Vermögensverwaltung in der Regel nicht.
Der dritte Unterschied ist die Unabhängigkeit. Ein unabhängiges Family Office verkauft keine eigenen Anlageprodukte und hat deshalb kein wirtschaftliches Interesse daran, welches Produkt zum Einsatz kommt.
Für Vermögen, das überwiegend liquide ist und wenig Koordination erfordert, ist eine Vermögensverwaltung in der Regel die einfachere und günstigere Lösung.
Wie viele Family Offices gibt es in Deutschland?
Belastbare Zahlen gibt es nicht. Single Family Offices sind von außen kaum erkennbar, und der Begriff Family Office ist gesetzlich nicht geschützt.
Viele Single Family Offices treten als gewöhnliche Vermögensverwaltungs- oder Beteiligungsgesellschaft auf und werden in keinem Register als Family Office geführt. Bei Multi Family Offices ist die Abgrenzung ebenfalls unscharf, weil sich auch Vermögensverwalter, Banken und Kanzleien so bezeichnen. Schätzungen zur Zahl der Family Offices in Deutschland gehen deshalb weit auseinander.
Welche rechtlichen Rahmenbedingungen gelten?
Family Offices brauchen in Deutschland eine Erlaubnis der BaFin, sobald sie gewerbsmäßig Finanzportfolioverwaltung oder Anlageberatung betreiben. Maßgeblich ist heute in der Regel das Wertpapierinstitutsgesetz (WpIG), für Kreditinstitute das Kreditwesengesetz (KWG).
Nicht erlaubnispflichtig sind nach Auffassung der BaFin dagegen unter anderem die allgemeine Beratung vermögender Personen ohne konkrete Anlageempfehlung, die Überwachung externer Vermögensverwalter, Buchführung und Controlling, die Mediation bei Streitigkeiten innerhalb der Familie sowie allgemeine administrative Leistungen.
Steuerberatung ist nach dem Steuerberatungsgesetz Steuerberatern und weiteren dort genannten Berufsgruppen vorbehalten, Rechtsdienstleistungen regelt das Rechtsdienstleistungsgesetz. Welche Erlaubnisse ein Anbieter hat, bestimmt deshalb, welche Leistungen er selbst erbringen darf und welche er über externe Berater abdeckt.
Wie findet man das passende Family Office?
Die Auswahl hängt vor allem von Unabhängigkeit, Vergütung und Leistungsumfang ab. Der Markt ist unübersichtlich, weil die meisten Anbieter nicht aktiv werben und Single Family Offices nach außen nicht als solche auftreten.
Wichtige Kriterien:
- Unabhängigkeit: Ist der Anbieter an eine Bank gebunden oder vertreibt er eigene Produkte?
- Vergütung: Wie wird abgerechnet, und gibt es Provisionen von Dritten?
- Leistungsumfang: Was ist in der Gebühr enthalten, was wird extern zugekauft und gesondert berechnet?
- Spezialisierung: Passt der Schwerpunkt zur eigenen Vermögensstruktur, etwa Unternehmensbeteiligungen, Immobilien oder internationale Sachverhalte?
- Kapazität: Wie viele Familien werden betreut, und wie viel Zeit bleibt für ein einzelnes Mandat?
- Kontinuität: Wie ist die Nachfolge im Family Office selbst geregelt?
Welche Anbieter es in einer bestimmten Region gibt, zeigt beispielhaft die Seite Family Office in Stuttgart.
Häufige Fragen
Nicht zwingend. Ein Family Office lohnt sich vor allem dann, wenn über die Geldanlage hinaus Koordinationsbedarf besteht – etwa bei Unternehmensbeteiligungen, Immobilien, mehreren Familienmitgliedern oder ungeklärter Nachfolge. Geht es ausschließlich um die Anlage liquider Mittel, ist eine Vermögensverwaltung meist die günstigere Lösung.
Nein. Eine Familienstiftung ist eine Rechtsform zur langfristigen Bindung von Vermögen. Ein Family Office ist eine Organisation, die Vermögen verwaltet und koordiniert. Ein Family Office kann eine Familienstiftung betreuen, ist aber selbst keine.
Weil sich die Schwelle nicht aus einer Regel ergibt, sondern aus einer Rechnung: Ein Family Office lohnt sich, wenn sein Nutzen die Fixkosten übersteigt. Diese Kosten hängen davon ab, welche Leistungen erbracht werden sollen. Je umfassender der Anspruch, desto höher die notwendige Vermögensgröße.
Vertraulichkeit gehört zum Kern der Dienstleistung. Die konkreten Regelungen werden vertraglich festgehalten und sollten vor Beginn der Zusammenarbeit geklärt werden – insbesondere, welche Informationen an externe Spezialisten weitergegeben werden.
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